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Migration 2014 : Migration. Integration. Inklusion. - Chancen, Herausforderungen, Perspektiven.

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Submission Deadline Jul 26, 2013
Final Version Due Oct 20, 2013
 

Call For Papers

Migration. Integration. Inklusion. – Chancen, Herausforderungen, Perspektiven
Call for Papers

Der Begriff Migration eröffnet ein breites Spektrum an gesellschaftspolitisch relevanten Themenfeldern. Mit der Migration von Menschen werden grundlegende gesellschaftliche Strukturen verändert. Diese Prozesse können zu einer gesellschaftspolitischen Kollision mit oftmals weitreichenden Problemen führen (Rassismus, institutionelle Diskriminierung, rassistische Übergriffe etc.). Das ist der Fall, u.a. wenn Einwanderung einem realpolitischen Verdrängungsmechanismus bzw. einem pragmatischem Kalkül unterliegt, wie es gegenwärtig in der Bundesrepublik Deutschland der Fall ist.

In Forschung und Lehre wird das Thema Migration bis heute ungenügend behandelt. Daher fanden sich im Sommer 2013 in Erfurt Wissenschaftler*innen der Willy-Brandt School und Universität Erfurt, politische Akteur*innen sowie Stiftungsvertreter*innen der Rosa-Luxemburg und Heinrich-Böll-Stiftung zusammen, um Migration auf die Tagesordnung wissenschaftlicher Analysen und diese in der dafür geeigneten Form in die politische Diskussion zu bringen. Letztlich mündete die Zusammenarbeit in dem Entschluss eine Ringvorlesung mit dem Titel "Migration. Integration. Inklusion. – Chancen, Herausforderungen, Perspektiven" zu organisieren.

Das Projekt eines Sammelbandes zu dieser Thematik ergab sich aus der Notwendigkeit heraus, die hier gewonnen Analysen und politischen Deutungsmuster der bestehenden Verhältnisse für eine breite gesellschaftliche Leser*innenschaft zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus soll die Arbeit sowohl als Referenzwerk für ähnliche Projekte wie diese Ringvorlesung dienen als auch eine Grundlage für einen politischen und wissenschaftlichen Diskussionsrahmen schaffen.

Drei Themenschwerpunkte stehen hierfür im Mittelpunkt:

Teil 1: Grundlagen und Analyse vergangener und aktueller Wanderungsprozesse und Migrationsdiskurse

Der erste Teil dieser Publikation soll sich mit einer Analyse von Wanderungsprozessen in der Vergangenheit und Gegenwart auseinandersetzen, um so einen ersten Einblick in die Thematik zu geben und analytisch die Situation von Asylsuchenden, Migrant*innen und Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland und im europäischen Kontext aufzuzeigen.

Die Wanderungsgeschichte Deutschlands in Zusammenhang mit der Entstehung des deutschen Nationalstaates spielt dabei eine wichtige Rolle, werden doch hier die ersten strukturellen Probleme heutiger (postkolonialer) Debatten und Diskurse gelegt. Während die Wanderungsbewegungen bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts sich noch eher in einem mitteleuropäischen Kontext vollzogen haben, änderte sich mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges die Struktur und Dynamik der Migrationsbewegungen.

Im Jahre 1951 sollte mit der Genfer Flüchtlingskonvention der Grundstein für einen humanitären Schutzgedanken, der jedem Menschen das Recht auf Asyl aufgrund von Verfolgung bietet, gelegt werden. Zudem begann mit der Anwerbung sog. Gastarbeiter*innen in der Bundesrepublik Migration in Verbindung mit marktorientierten Verwertungslogiken eine neue Form anzunehmen. Auch die Vertragsarbeiter*innen in der DDR sind in diesem Kontext zu beachten und in den Prozess der Wanderungsgeschichte in Deutschland einzuordnen. Mit dem Prozess der europäischen Einigung und der immer stärker werdenden Rolle der EU kommt eine dritte Komponente hinzu, die im Migrationsdiskurs beachtet werden muss. Während für EU-Bürger*innen die Bewegungsfreiheit im europäischen Raum wächst, schaffen die Mitgliedsstaaten der EU immer wieder neue "rechtsfreie" Räume um ihre auf Abschottung und Ausgrenzung basierenden Außenpolitik gegenüber Flüchtlingen durchzusetzen. Die faktische Abschaffung des Asylrechtes 1993 in der Bundesrepublik stellt dabei einen traurigen Höhepunkt der Migrationsdebatte dar.

Mögliche Ansätze:

- Asylpolitik und -recht (Daten, Fakten, Entwicklungen)
- Wanderungsgeschichte Deutschlands (von Anfang des 19. Jahrhunderts, mit Kolonialgeschichte, Gastarbeiter*innen, Ruhrpolen, Spätaussiedler*innen, Binnenmigration etc.)
- Auswanderung
- Die Rolle der deutschen Asyl- und Migrationspolitik in europäischen Kontext (globale Ebene und Deutschlands Rolle, Drittstaatler*innen etc.)
- Etc.

Teil 2: Gesellschaftsimmanenter Rassismus und Ausgrenzung in der deutschen Migrationsdebatte

Dieser Abschnitt soll sich mit verschiedenen Problemfeldern des Themas Migration und Deutschland befassen. Die Realität der migrationsbedingten Vielfalt wird in Deutschland von der "Mehrheitsgesellschaft", Institutionen und vielen politisch Verantwortlichen abgelehnt. Dabei stellte sich die einseitige Inpflichtnahme der Menschen mit Migrationshintergrund vor dem Hintergrund einer Integrationsdebatte, als nicht zielführend für die Bewältigung der Herausforderungen für ein gleichberechtigtes Zusammenleben heraus. Der gesellschaftliche Rassismus hat Anfang der 90er Jahre durch Brandanschläge und Morde in der BRD eine kritische Zuspitzung erreicht, die ihren jüngsten Höhepunkt mit den bekannt gewordenen NSU-Morden erlangt hat. In den letzten Jahren wurde eine gesellschaftlich breitgeführte Debatte angestoßen, um die Versäumnisse zu beheben.

Dieser Teil der Publikation sollte etliche Problemfelder behandeln, die wichtig im Kontext des Migrationsdiskurses sind. Die "Mehrheitsgesellschaft" nimmt Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland als homogen und "anders" war. Zudem wird in der Regel unterschieden zwischen für den Arbeitsmarkt relevanter und nicht relevanter Einwanderung. Diese Verschränkung verschiedener Diskriminierungsformen zeigt sich dabei in verschiedenen Formen der institutionalisierten Ausgrenzung bspw. im Bildungsbereich und Arbeitsmarkt. Auch sind sog. Migrant*innen in Deutschland im öffentlichen Leben unterrepräsentiert.

Mögliche Ansätze:

- Rassistische Einstellungen und rechte Gewalt (z.B. die Sarrazin-Debatte, Buschkowsky etc.)
- Repräsentationsdefizit Migrant*innen (z.B. Necla Kelek - Warum spricht ein*e Migrant*in immer für alle? etc.)
- Das Konstrukt des Deutschseins (z.B. Was ist die deutsche Identität? Nationalbegriff/Einheitsbegriff, Staatsbürgerschaft, Deutschsein = Weißsein? etc.)
- Institutionalisierte Diskriminierung (z.B. im Arbeitsmarkt, Wohnungsmarkt und Chancengerechtigkeit in der Bildung etc.)
- Intersektionalität
- Etc.

Teil 3: „Migrantische“ Lebenswelten und Perspektiven einer vielfältigen Gesellschaft

Aufsätze für den dritten Teil sollen sich mit Perspektiven für die Gesellschaft in Deutschland, emanzipativen Herangehensweisen und verschiedenen Lebenswelten beschäftigen. Zum einen sind Aufsätze erwünscht, die eine gesamtgesellschaftliche Betrachtung aufzeigen. Die Auseinandersetzung mit dem gesellschaftlichen Zusammenleben über die Vorstellungen der „Integration“ hinaus (z.B. Multikulturalität, Interkulturalität, Transkulturalität, etc.) sollen hier im Mittelpunkt stehen.

Zum anderen werden in diesem Teil die verschiedenen Lebenswelten im „migrantischen“ Kontext dargestellt. Diese können sich mit subkulturellen Ausprägungen in verschiedenen Bereichen beschäftigen.

Mögliche Ansätze:

- Subkulturelle Sprache (z.B. Sprache als Emanzipation etc.)
- Popkultur (z.B. Hip Hop, Rap, etc.)
- Kunst als Ventil/emanzipatorisches Werkzeug
- Lebensstilkonzepte
- „Migrantische“ Lebenswelten (zwischen "Identitäten" etc.)
- Möglichkeiten der politischen Partizipation
- Etc.


Einsendung eines Abstracts/Artikelvorschlags

Wir laden zur Einsendung von Exposés/Artikelvorschlägen von mit maximal 3000 Zeichen (inklusive Leerzeichen) bis zum 26. Juli 2013 ein. Senden Sie das Abstract mit einer kurzen Angabe zum möglichen Umfang des Artikels sowie einer Kurzbeschreibung zu Ihrer Person an miriam.aced@uni-erfurt.de. Nach Annahme der Artikelvorschläge wird um das Einreichen der Artikel bis spätestens 20. Oktober 2013 gebeten. Diese sollen einen Umfang von 40.000 bis 60.000 Zeichen (inklusive Leerzeichen, Literaturverweisen und Fußnoten) umfassen. Unter Umständen können aber auch kürzere Artikel mit in die Publikation aufgenommen werden. Die Veröffentlichung ist für das Frühjahr 2014 geplant.

Redaktionsteam:

Miriam Aced, Doktorandin und wissenschaftliche Mitarbeiterin der Willy Brandt School of Public Policy, Universität Erfurt
Tamer Düzyol, Politikwissenschaftler und Doktorand am Lehrstuhl Geschichte Westasiens der Universität Erfurt
Arif Rüzgar, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Erfurt
Christian Schaft, studiert im Master Kommunikationsforschung mit Schwerpunkt politische Kommunikation der Universität Erfurt

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